Datenbasierte Forschung: Datenbank für Faktoren von Energiewende in Deutschen Gemeinden

Dieses Bild wurde mithilfe von KI erstellt.

Um zu verstehen, wie die Energiewende auf lokaler und regionaler Ebene in Deutschland umgesetzt wird, ist ein Einblick in die Ebene erforderlich, auf der sie tatsächlich stattfindet: die Gemeinden.

ESKA untersucht unter anderem, wie Vorreiterkommunen und -regionen ihre Energiewendeprojekte erfolgreich umgesetzt haben. Im Mittelpunkt des Projekts steht jedoch nicht nur die Analyse dieser Erfolgsbeispiele, sondern vor allem die Frage, wie sich erfolgreiche Ansätze auf weitere Kommunen und Regionen übertragen lassen und wie kooperative Lösungsansätze skaliert werden können.

Wie können wir verstehen, was auf Gemeindeebene im größeren Maßstab geschieht?

Um den Status-Quo des Ausbaus erneuerbarer Energien zu bewerten und weitere entscheidende Faktoren auf Gemeindeebene zu ermitteln, greifen wir auf (meist öffentlich) zugängliche Daten zurück. Dies bringt jedoch einige Herausforderungen mit sich:

  1. Die Datenlage ist stark fragmentiert und unvollständig,
  2. Daten, die veröffentlicht werden, sind oft stark thematisch fokussiert und nur unter bestimmten Ämtern erhältlich,
  3. Daten korrespondieren zu unterschiedlichen Ebenen, auf Landesebene, Kreisebene, oder Gemeindeebene,
  4. Es gibt keine Datenquelle, die alle Informationen gebündelt veröffentlicht.

Diese Lücke haben wir erkannt, und haben daher unsere eigene Datenbank für alle knapp 11.000 Gemeinden erstellt. In diesem Blogpost möchten wir den Aufbau der Datenbank erklären, und zeigen welche Datenquellen genutzt wurden.

Für die Praxis – Wo finde ich passende Daten

Wenn Sie auf der Suche nach älteren Daten zu Ihrer Gemeinde sind, kann es sein, dass Sie auf einige Hürden treffen werden, bspw. wenn Namen oder Zuständigkeiten mit der Zeit geändert wurden. Da sich der Gebietsstand der Bundesrepublik stetig ändert, Gemeinde- und Landkreisgrenzen werden neu definiert, Orte werden ausgegliedert und Gemeinden aufgelöst und Namen geändert. Dies führt auch zu Veränderungen der Gemeinde-Kennziffern und -Schlüssel. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Gebietsänderungen in regelmäßigen Abständen.

ESKA-Datenbank im Profil

Als Grundlage nutzen wir die Referenztabellen zu Raumgliederungen des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) als Baseframe. Anhand der Daten aus 2024 können wir somit 10.956 Gemeinden berücksichtigen. Dieser Datensatz beinhaltet zudem die wichtigen administrativen Kennzeichen, wie den Amtlichen Gemeindeschlüssel (AGS), den Amtlichen Regionalschlüssel, den Kreisschlüssel sowie Informationen zum Verwaltungssitz, der administrativen Ebene, des Wahlkreises, der Fläche und Bevölkerung. Aufgrund der verschiedenen Kennzeichen, ist es auch möglich mit verschiedenen Datenquellen zu arbeiten, da bei den öffentlich-zugängigen Daten nicht einheitlich mit dem AGS in voller Form gearbeitet wird. Zur Einarbeitung andere Daten, nutzen wir also diesen Baseframe und matchen die Daten anderer Datenquellen mit den administrativen Kennzeichen und fügen die neuen Daten somit der Datenbank bei. Dieser Prozess erfolgt mittels einer Pipeline, die verschiedenen Datensätze verarbeitet, zusammenführt und in verwertbare Variablen umwandelt.  

Die verschiedenen Variablentypen sind:

  • Identifikatoren und Verwaltungsebenen (NUTS-3, Kreisebene, Bundesland, Ost/West)
  • Bevölkerung, Altersstruktur, Wanderung
  • Beschäftigung, Einkommen, Arbeitslosigkeit
  • Bildungsabschlüsse (auf mehreren Raumebenen)
  • Flächennutzung und Ländlichkeit
  • Erneuerbare Energien: installierte Kapazitäten nach Träger und Fünfjahresperiode, Solar-/Windpotenziale, kommunale Wärmeplanung
  • Bürgerbegehren zu Energieprojekten
  • Kommunal-, Landes- und Bundeswahlergebnisse 2008–2025

Somit haben wir für jede der knapp 11.000 Gemeinden Informationen zu über 830 Variablen.

Was ist der AGS?

Der Amtliche Gemeindeschlüssel (AGS) ist eine achtstellige Ziffernfolge, die jeder deutschen Gemeinde eindeutig zugeordnet ist und von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder vergeben wird. Die ersten zwei Stellen bezeichnen das Bundesland, die folgenden drei den Landkreis, und die letzten drei die Gemeinde selbst – ähnlich einer Postleitzahl, aber eigentlich administrativ verbindlich.

Wo findet man nun Informationen zum Ausbau Erneuerbarer Energien?

Eine Besonderheit unserer Datenbank ist der Einsatz von Daten aus dem Marktstammdatenregister (MaStR), ein öffentliches Register der Bundesnetzagentur, in dem seit 2019 alle Energieerzeugungsanlagen und Energieverbrauchseinheiten in Deutschland erfasst werden müssen – von der privaten Dachsolaranlage bis zum Offshore-Windpark. Dieses enthält die Datenpunkte aller Stromerzeugungseinheiten aller Energieträger in Deutschland – insgesamt über 7.7 Millionen (Stand 2025)!

Die Daten sind frei zugänglich und enthalten unter anderem Standort (auf Gemeindeebene), Energieträger, Betriebs-status, Inbetriebnahme, Leistung, Ort, Anlagenbetreiber und weitere Technischen Details.

Bei einer solchen Datenfülle ist die Aufbereitung zwar technisch sehr aufwendig, ermöglicht jedoch eine beinahe lückenlose Rekonstruktion der zeitlichen und geographischen Struktur des Ausbaus erneuerbarer Energien. Anhand unserer Datenbank und des Marktstammdatenregisters konnten wir das Produktionsvolumen Erneuerbaren Energieträger auf Gemeindeebene für jedes Jahr und jeden Träger genau bestimmen.

Warum sind diese Daten interessant?

Die Verbindung von Daten zu Ausbau und Status von Energieproduktion in Deutschland kann für verschiedene Akteure und Analysen interessant werden. Zum einen ermöglicht es für die Forschung die Untersuchung welche kommunalen Strukturmerkmale den Ausbau von erneuerbaren Energien begünstigen, oder auch welche Rolle Bürgerbegehren bei kommunaler Wärmeplanung spielen. Auch die Verbindung von Wahlzeitreihendaten und die Energiekapazitäten in 5-Jahres-Perioden erlauben die Exploration von Längsschnittanalysen.

Für die Praxis, wie etwa Kommunalpolitik und Planung, kann die Kombination aus Wärmeplanungsstatus, Energie-Kapazitäten und Bürgerbeteiligungsdaten ein differenziertes Bild kommunaler Energiewende-Reifegrade zeigen. Für Verbände und Energiegenossenschaften kann es zeigen, welche Gemeindetypen für Kooperationsmodelle besonders geeignet sind und wo noch Ausbaupotenzial besteht.

Kann ich Zugriff zu diesen Daten erhalten?

Derzeit noch nicht. Wir müssen die Daten erst validieren, sichern und entsprechend dokumentieren, damit sie leicht verständlich und nutzbar sind. Freuen Sie sich darauf, unsere Datenbank Ende 2027 als Teil des Abschluss des ESKA-Projekts nutzen zu können.

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Deutsch